Chorgemeinschaft Bruckmühl
Chorgemeinschaft Bruckmühl

2 mal Missa Brasileira

in der

Johanneskirche in Bruckmühl

und in der

Allerheiligen Kirche Rosenheim

 

Die Zuhörer erlebten zu Anfang sozusagen zum Warmwerden das Samba-Stück  “Encontros do Brasil”, ebenfalls von Jean Kleeb, gesungen von der Solistin des Abends, der Konzertsängerin Dagmar Gareis. Begleitet wurde sie hier und auch in der Folge am Clavinova von Konrad Liebscher, dem hauptamtlichen Kirchenmusiker in Bad Aiblings Stadtkirche, von Thomas Laar am Kontrabass, Dietgard Luber am Violoncello, sowie dem Schlagzeuger Martin Heisl und der Cajon-Spielerin Benedikta Klein.

 

Nach einem portugiesischen Liebeslied “Eu sei que vou te amar” trat im Namen der Chorgemeinschaft Erni Speigel ans Mikrofon und begrüßte die Anwesenden. Sie gab interessante Hinweise auf den Komponisten und den Gesamtzusammenhang der nun folgenden „Missa“.

 

Völlig ungewohnt für eine lateinische Choralmesse konnten sich die Zuhörer nun einstellen auf Bossa Nova-Rhythmen, Samba-Klänge und die verschiedensten mitreißenden Taktfolgen, die freilich dem Chor allergrößte Konzentration und Leistung abverlangten.

 

Während das Kyrie noch recht verhalten daher kam, brandete das Gloria geradezu auf

in Wucht und Temperament. Viele der Anwesenden wippten mit der Fußspitze im Rhythmus mit, auch wenn dann ganz überraschend immer wieder fast Tango-mäßige melancholisch sanfte Stücke erklangen.

 

Gerade in diesen Bereichen, zum Beispiel im meditativen „Quoniam“ und auch dem „Sanctus“, konnte die Sopranistin ihr ganzes Können zeigen: Mit bewundernswerter Leichtigkeit erreichte sie fast astronomische Höhen und konnte dabei die notwendige Zartheit der Melodieführung jederzeit bewahren.

 

Zentrale Interpreten der Choralmesse aber waren nun zweifellos die Chormitglieder, Sänger und Sängerinnen aus Bruckmühl und Umgebung. Sie wurden - wie auch die Instrumentalisten - dirigiert und geführt von Susanne Reitinger.

 

Sie leitet seit vier Jahren die Chorgemeinschaft und hat einen hochwertigen Klangkörper aus den Sängern und Sängerinnen gemacht.

 

Vor allem die mitreißende Dynamik, das gefühlvolle Ausdrücken von lautem Jubel und gleich danach behutsamstem Piano gelang hervorragend. Zwischendurch wurden von Chormitgliedern auch wieder erklärende Texte und Impulse verlesen. Den Schluss bildete dann das nachdenkliche „Agnus Dei“ mit einem geradezu betörenden Aufruf zum Frieden und zur Friedensgesinnung: „Dona nobis pacem“. 

Der Applaus, der dann aufkam, war laut und lang. Bis zum letzten Platz waren die Zuhörer in der vollen Kirche begeistert. Und natürlich ließen sie die Chorgemeinschaft und die Instrumentalisten nicht ziehen ohne mehrere Zugaben. Am Ende waren sich alle einig, dass dieses Konzert ein großer Gewinn gewesen war für jeden, der es miterlebt hatte: eine Choralmesse mit Feuer und Begeisterung, der es gelungen war, eine Brücke zu schlagen zwischen europäischer Kirchenmusik und indianischem und afro-brasilianischem Pulsschlag.

 

Harald Klein

              in der Allerheiligen Kirche Rosenheim

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